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L' étape du tour 2009 avec le maître nageur - Die Tour-Etappe 2009 und der Bademeister PDF Drucken E-Mail
von Jochen Reski   
24.07.09

Es war sehr hart, aber dennoch schön...

Nun war es endlich soweit. Mein „Rennrad“-Höhepunkt stand vor der Tür. Der Wagen mit frisch ersetztem Turbolader (die Werkstatt brauchte diese, von mir ungeplante Konjunkturspritze wohl), ich und mein Bike waren bereit. Nach einem letzten Grundlagentraining - Schlagermove - vier Stunden Tanz / drei Stunden Schlaf und anschließender "Alpe d'Seevetal" RTF) war ich bestens vorbereitet und bis an die Ohren bewaffnet (Marco Polo "Französisch Reiseführer - 7,95€ incl. "Zeigebildern" für das Einkaufen) und mit ca. 20 Worten französisch aus der Schulzeit, ging es am Montagabend, den 13.07.2009 auf, um auf "heiligem, Boden" (Guido W.) Rennrad zu fahren.

Da ich auf meinem Punktekonto in Flensburg bereits ebenso viele Punkte wie Karsten E. RTF-Punkte gesammelt habe, musste ich auch bei jeder Baustelle (und wir haben dank Konjunkturpaket 2 davon eine Menge) immer schön vorsichtig fahren. Nach sieben Stunden Dauerregen war ich zwar, wie geplant, ohne Stau einigermaßen durchgekommen, aber dafür völlig fertig. Typisches Scheibenwischersyndrom. Also mal schnell ein Autobahn-Motel gebucht und ein paar Stunden in Baden-Baden herrlich unbequem verweilt.

Am Dienstag stand ich dann, wie Millionen anderer Autofahrer) and der Grenze. Super Timing am 14.07 zu fahren. Revolution Day – France. Irgendwann bin ich dann im Tunnelland (Schweiz) angekommen und habe direkt die erste Tankstelle angefahren. Da war Sie, die erste Begegnung, mit dem weiblichen Geschlecht unserer EG-Nachbarn. Ca. 10 Nonnen standen beim Tanken direkt neben mir. Immerhin war ich auch in schwarz-weiß gekleidet. Leider kam mein Zwinkern mit kurz gelupfter Sonnenbrille bei der Oberschwester irgendwie nicht gut an. Allez, allez (das sollte ich später noch öfter hören), waren ihre Worte. Und weg waren sie! Immerhin in einem deutschen VW-Transporter.

Gegen 17 Uhr konnte ich dann in meinem Hotel nahe Chambery einchecken. Am Abend wurde ich dann von meinem bis dato einzigen Bekannten, Claude abgeholt. Claude habe ich letztes Jahr auf Mallorca kennengelernt. Er ist ein Freund von Denis und Olivier (die Besitzer von Veloland, Frankreichs größter Rennradladen – siehe Bilder). Martin S., kennst Du die Beiden evt?

Kaum angekommen war ich nun mittendrin, in einer französischen Geburtasgsfeier. Ein tolles Erlebnis. Offen und voller Freundschaft wurde ich aufgenommen. Für die nächsten drei Tage stand dann Bergtraining auf dem Programm. Nachdem ich am ersten Tag noch etwas vorsichtig agiert habe (OK, ich habe mich geschont), gab es am zweiten Tag keine Ausrede mehr. Ich habe ich mir den sehr harten "Mount du Chat" vorgenommen. Ein Fehler, wie ich mir später eingestehen musste.

Bei 37 Grad im Schatten und totaler Windstelle war ich bereits nach vier von zehn Kilometern völlig alle. Dank "Kompaktkurbel" (der Umbau war kein Problem – Merci Eckhard L.), konnte ich dann aber doch noch fahrend ankommen. Wie ich später erfahren habe, gehört der "du Chat" zu den Top 10 härtesten Anstiegen in Europa. Na super!

Für den nächsten Tag hatte ich mir einen "langen" Klassiker ins Programm geschrieben, Es blieb nur die Frage welchen. Zur Wahl standen "Madeleine" und "Glandon". Ihr könnt euch sicher denken, welchen Anstieg ich gewählt habe. Klischees müssen halt bedient werden ;-)
So startete ich gegen 11:30 Uhr meinen langen Ritt auf Madeleine. Im Gegensatz zum "Mount du Chat" ein sehr sanfter Anstieg. Dafür anscheinend endlos…
Noch geprägt vom Schlagermove kam mir unweigerlich die Melodie "Marlen, einer von uns Beiden muss nun gehen" in den Sinn. Ich war es jedenfalls nicht.

Am Samstag ging es dann von Chambery auf, in Richtung Rennstart. Da alle Hotels in Montelimar (Startort) ausgebucht waren, musste ich mit Valence (ca. 40 km) vorlieb nehmen. Ein Glücksgriff. Valence ist eine absolute Perle der Provence. Siehe Bilder!

Nach meinem Ruhetag am Samstag habe ich am Sonntagvormittag eine kleine flache Runde um Valence gedreht. Bin dann direkt in Radklamotten auf den "Place de Clerc" gefahren, da man dort, laut Hotelrezeption, angeblich das Beste Eis Frankreichs bekommen sollte. Kurze Zeit später wurde ich genau auf diesem Platz, mitten im tiefsten Frankreich, von Ulrike, einer Anästhesie-Ärztin angesprochen. Ulrike stammt aus Tübingen und arbeitet seit 2 Jahren in Frankreich. Unser neues Trikot ist wirklich ein Eyecatcher ;-)
Nach 5 Tagen endlich wieder "normal" kommunizieren. Die nicht ganz unwichtige "Cycle-Life-Balance" kam nun auch wieder ins Lot. Am Abend dann das bekannte Ritual. Also die Klinge noch mal elegant über die Beine geschwungen, um dem "Mont Ventoux" bloß keine unnötige Angriffsfläche zu geben ;-)

Montag, 20.07.2009 – L’ étape du tour – 35 Grad „Judgement Day“ oder “D-Day”, wie man heute moderner sagt, stand auf dem Programm. Der Rennstart war zur unglaublich unmenschlichen Zeit von 07:00 Uhr angesetzt. Wie auch immer die ASO das in diesem kleinen Ort Montelimar hinbekommen hat. Sie hat es geschafft. 8000 Fahrer auf einer Distanz. Da die "Großen" Ruhetag hatten, standen alle Motorräder, Ärzte usw. für uns kleinen Lichter parat. Ich bin auf Platz 2717 gestartet und auf 1630 eingefahren, wenn man 10 km/h, überhaupt als "fahren" bezeichnen darf. Ich bin mit meinem Ergebnis zumindest mehr als zufrieden. Ist schon ein verrücktes Land, in dem man an einem normalen Werktag, also Montag, mal kurz 170 km Straße sperrt, damit die "Amateure" fahren können. Dazu berichtete "France 3" live vom Rennen.

Der Koch aus dem Hotel in Chambery hat mir später erzählt, dass er mich mehrfach gesehen hat. Nach dem Start war ich dann völlig überrascht. Keine Hektik, kein Idioten, die unbedingt nach vorne drängen und dann doch nicht in den Wind wollen. Es wurde flott aber kontrolliert gefahren. Ein wenig RTF-Feeling kam in mir hoch. Im Nachhinein wurde mir klar warum. Am Ende wartet der Ventoux und fordert seinen Tribut. Warum also vorher unnötig Körner verschießen? Bei den ersten drei Anstiegen konnte ich dann gut mitgehen, Der vierte Berg (Col de Notre Dame) bei Kilometer 120 hat dann schon einige Körner gekostet. Die ersten zwei Kilometer geht es direkt mit 10% Prozent los. Dann wird es zum Glück "ertretbar". Im Ort Bedoin ist dann die Hölle los. Tausende von Menschen schreien "Allez, allez". Direkt am Beginn des Anstiegs (sind ja nur 22km) die vermeintlich letzte Verpflegungsstelle. Also noch mal schnell die beiden 0,75l Flaschen aufgefüllt und eine weitere 0,5 Flasche im Trikotrücken verstaut. Das bringt zwar das Systemgewicht auf über 90kg, aber ohne Wasser geht bei diesen Temperaturen überhaupt nichts.

Zum Glück geht es eher sanft (5-7%) los. Dann sind wir im Wald und es ist "High-Noon". „Keine Gnade für die Wade, hat mein damaliger Marathontrainer immer gesagt. Bisher gab es nur technische Ausfälle, also platte Schläuche. Aber jetzt fallen die Fahrer reihenweise einfach um. So etwas habe ich bisher noch nicht gesehen. Sie legen sich einfach am Wegesrand unter einem Baum in den Schatten und versuchen Luft zu bekommen. Mein Tacho zeigt 53 Grad in der Sonne an. OK! Es ist fast geschafft. Der Baumwuchs hat sich erledigt. Man sieht dieses verdammte Ziel, den Turm bereits klar und deutlich, Zum Glück hab ich mich vorab informiert; Denn wenn man den "Col" sieht, sind es noch ca. 6-7 Kilometer.

Die letzten 2 Kilometer fordern dann noch mal alles und noch ein wenig mehr. Immer und immer wieder musste ich mir selbst Mut zusprechen. Geholfen hat mir dabei, dass es "neue" Ladies in der RG Uni gibt, die mit nicht mal 1000 Kilometern Grundlage mal eben den Vättern Rundan (Nancy. G.) erledigen oder wie Genia S. so nebenbei einen Brevet von 250km abreißen. Geschafft, ich sehe das Ziel direkt vor mir. Mein Tacho zeigt immer noch 12% Steigung an. Dann endlich das erlösende Piepen, über den Zeitmatten. Ich möchte mich freuen und zwar laut. Aber selbst das ist mangels Energie nicht mehr möglich, Ich stoppe kurz und schaue auf den Tacho: 173km, 25er Schnitt. Fahrzeit 7:17 Uhr. Dann werde ich auch schon nett aber bestimmend weiter getrieben. Also auf in die Abfahrt. Nach knapp 8 Stunden und 195 Kilometern kann ich endlich absatteln. Alles tut weh!

Dem Falkman und seinen La Marmotte Gefolgsleuten kann ich nur die richtige (also kleine Kurbel) Übersetzung empfehlen. Denn wenn die Temperaturen auf über 30 Grad steigen, ist auch bei Campa mit 13-29 hinten nur noch Kranz fahren angesagt. Das macht auf Dauer nicht wirklich Spaß. So weit ich informiert bin, fahren selbst die Großen bei harten Etappen eine Kompaktkurbel.

So, jetzt gilt es, die von mir so gehasste Rennradbräune zu beseitigen. Carsten L.: Als Bademeister steht mir das hoffentlich zu. Wer ein paar Bilder meines Urlaubs sehen möchte, klickt auf meine Bilder bei flickr

Au-revoir Jochen

Anmerkung: Diese Geschichte ist NICHT frei erfunden. Namensgleichheiten sind bewusst gewählt.

 
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