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24 Stunden durch die Grüne Hölle PDF Drucken E-Mail
von Jakob Graul   
04.08.09

Schon vor einiger Zeit hatte mich mein Diabetesarzt, Jörg von Hübbenet, darauf angesprochen, ob ich nicht Lust hätte für seinen gemeinnützigen Verein "entscheidendes bewegen" am 24 Stunden Rennen auf dem Nürburgring teilzunehmen.

Da ich von dem Konzept des Vereins, der auf der einen Seite zeigen möchte das auch Menschen mit Diabetes zu sportlichen Hoch- bzw. Höchstleistungen fähig sind und auf der andern Seite Geld für gemeinnützige Diabetesprojekte sammelt, von Anfang an überzeugt war und die Herausforderung in einem Vierer-Team 24 Stunden über die Nordschleife zu fahren nicht ganz alltäglich ist, sagte ich meinen Start in einem der Teams zu. Am Freitag, dem 31.07. nahm ich dann zusammen mit Torben Rohlfs die etwas längere Autofahrt in Richtung Eifel auf.

Dort angekommen stellte ich schnell fest, dass die Stimmung die im "Fahrerlager" herrschte eher mit der Stimmung bei einem Rockfestival als mit der Stimmung bei einem Radrennen zu vergleichen war. Die unzähligen Menschen, Zelte, Wohnwagen und natürlich Fahrräder unterstrichen vom ersten Moment an, dass wir uns hier auf eine nicht ganz alltägliche Radveranstaltung eingelassen hatten. Nach einer eher schlafarmen Nacht in unserem gemieteten Opel Astra Kombi starteten Torben und die RG-Uni Mitglieder Kai Schröder, Guido Westermann und Tom Lühr am Samstag gegen 13.00 Uhr zu ihrem 140km langen Jedermannrennen.

Auf die Jungs warteten 6 Runden über die legendäre Nordschleife. Das hieß neben sechsmaligen Highspeedfahrten mit 90km/h in der "Fuchsröhre" unter anderem auch sechs mal rund 4km das "Bergwerk" rauf, und als Sahnehaube wartete am Ende dieses Anstieges die "Hohe Acht" mit ihren knappen 18% Steigung. Allerdings täuscht sich derjenige, der denkt das dass schon alle Schwierigkeiten dieses Kurses seien. Eigentlich ist auf den rund 23km Nordschleife kein Meter eben und man befindet sich ständig in einer atemberaubenden Abfahrt oder in einem kräftezerrendem Anstieg. In nackten Zahlen heißt das pro Runde: 500 Höhenmeter auf 23km! Daher sind der achte Platz(!), den Torben einfuhr, und die Plätze 50 (Kai Schröder), 73 (Guido Westermann) und 102 (Tom Lühr) ein Superergebnis. Die RG Uni Starter haben eindeutig bewiesen, dass man an uns "Flachlandtirolern" auch in den Bergen nicht so einfach vorbei kommt.

Für mich ging es kurz nach den Jedermännern auf die erste von insgesamt neun Runden, die ich in den nächsten 24 Stunden fahren sollte. Insgesamt ist unser Team (entscheidendes bewegen I) auf 25 Runden gekommen und es wäre noch eine mehr gewesen hätte nicht ein Mitstreiter in der Nacht eine Panne gehabt, die uns mindestens 30 Minuten gekostet hat. Allerdings stand bei uns in diesem Jahr ganz klar der Spaß im Vordergrund und nicht die Anzahl der gefahrenen Runden. Während meiner neun Runden erlebte ich so ziemlich alles was einem Radsportler so widerfahren kann. Sonne und Hitze mit "Einbruch" am Berg in der ersten Runde. Ein "Einzelzeitfahren" während der Runden zwei und drei.

Die erste Nachtrunde absolvierte ich zusammen mit Torben, der nach seinem Rennen einfach nicht genug bekommen konnte und mal eben in einem anderen "entscheidendes bewegen"-Team als Ersatzfahrer einsprang. Danach legte sich Torben in unserer "Pension Astra" schlafen und ich wartete auf meinen nächsten Nachteinsatz, den ich denn um 3.30 Uhr begann. Für die nächsten 1,5 Stunden gehörte die Nordschleife wieder mir. Leider regnete es jetzt und ich fuhr zumindest in den Abfahrten etwas vorsichtiger, da meine Sicht aufgrund der Dunkelheit und des Regens sehr eingeschränkt war. Aber auch diesen "Nachteinsatz" brachte ich ohne Probleme hinter mich und ich freute mich auf eine Stunde Schlaf in unserer Box.

Um 6.00 Uhr drehte ich Runde Nummer sieben und ich spürte nicht nur an den Rundenzeiten, die jetzt immer ein Stück langsamer wurden, sondern auch in jedem Winkel meines Körpers, dass es mit meinen Kräften langsam zu Ende ging. Aber der Gedanke an das nahende Ende der 24 Stunden pushte mich in Richtung Ziel, bzw. in Richtung Box um den Transponder an einen meiner Mitstreiter abzugeben. Um 11.45 Uhr war ich dann noch einmal an der Reihe und ich begab mich auf meine vorletzte Runde. Diese fuhr ich nochmal so schnell wie meine Beine noch vermochten. Die allerletze Runde fuhren wir dann  gemeinsam. Und endlich konnte ich mal die Landschaft genießen, da wir ziemlich viel Zeit hatten. Wir bummelten die letzte Runde ziemlich locker und mit viel Spaß zu Ende. Im Ziel angekommen war ich froh dass dieses Abenteuer ein Ende gefunden hat, da meine Beine langsam aber sicher ihren Dienst immer mehr versagten.Rückblickend kann ich sagen, dass diese Veranstaltung eine wohltuende Abwechslung zu den "normalen" Rennen ist. Wir hatten eine Menge Spaß, sind auf einer der schönsten Strecken Deutschlands Rad gefahren, haben unsere eigenen Grenzen ausgetestet (und teilweise auch überschritten) und auch unser Hauptziel erreicht. Zu zeigen, dass auch Menschen mit Diabetes ordentlich in die Pedale treten können.
 
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