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Das große Ziel des RG Uni Teams (Martin Deprie, Jakob Graul, Thomas Holm, Dirk Petscheleit und Torben Rohlfs) war es, einen B-Fahrer zu produzieren. Die besten Chancen hatte Thomas, da ihm nur noch eine Platzierung (Rang 1 bis 10) zum Aufstieg in die B-Klasse fehlte.
Diesem Ziel wurde auf der ersten Etappe alles untergeordnet. So wurden Zwischensprints nicht mitgefahren. Die Jungs konzentrierten sich auf den Endspurt, zu dem es auch nach ruhigen 85 km (alle Attacken ließen Konsequenz vermissen) kam, als die 120 Fahrer geschlossen die breite Bundesstraße nach Goldberg reinfuhren. An der 1000-Meter-Marke folgte eine 90-Grad Linkskurve in eine recht enge Straße. Die Etappe war identisch mit der ersten Etappe vom letzten Jahr. Somit wusste Thomas, dass er an dieser engen Kurve schon vorne sein musste, wenn es mit der Platzierung klappen sollte. Mir wurde im Materialwagen Angst und Bange als sich das Feld auf der Bundesstraße so breit auffächerte, dass es jeden Zentimeter nutzte. So schossen sie in die Kurve hinein. Aber alles ging gut, naja fast alles – 300 Meter nach der Kurve lagen 3 Fahrer auf dem Gehweg – zum Glück keiner der RG Uni. Unsere Trikots erspähte ich erst nach dem Ziel als alle mit strahlenden Gesichtern am Straßenrand standen – Thomas hatte den 4.Platz geschafft und damit die erhoffte Platzierung Er ist der erste Sportler in der Geschichte der RG Uni, der den Aufstieg in die B-Lizenzklasse geschafft hat. Kaum aufgestiegen, frotzelte er, typisch Thomas, gegen die ganzen C-Wanzen im Verein! Am Sonnabend vormittag stand das Einzelzeitfahren über 11 km auf welligem und windigem Terrain auf dem Programm. Torben schaffte mit einem sehr guten Schnitt von 43 km/h dabei den 17.Platz. Nachmittags gab es ein Rundstreckenrennen, bei dem eine 8,5km-Runde fünfmal zu fahren war. Materialwagen waren hier nicht zugelassen, es gab aber zwei Depots. Gleich in der ersten Runde ging es nun los mit den Hiobsbotschaften, als der Kommissär, der das Materialdepot betreute, ausrief, dass RG UNI einen Defekt habe. Es hatte Martin erwischt. Das Feld kam sehr aufgesplittert am Depot vorbei und die Fahrer riefen, dass es einen Sturz gegeben hat. Als Martin mit total plattem Vorderrad (zum Glück kann man auf Schlauchreifen auch einigermaßen fahren wenn sie platt sind) anrollte, meinte er, dass es u.a. Torben erwischt hat. Als ich gerade zum Kommissär laufen wollte um mich nach Torben zu erkundigen, fuhr er alleine und mit viel Abstand zu den restlichen Fahrern am Depot vorbei. Bei der zweiten Zieldurchfahrt war das Feld wieder einigermaßen geschlossen und ich entdeckte Thomas, Jakob und Dirk darin. Martin hatte in einer ca. zehnköpfigen Gruppe mehr als zwei Minuten Rückstand. Zwei weitere Minuten später kam Torben vorbei, der sich mittlerweile mit einem Leidensgenossen zusammengetan hatte. Für ihn galt es drei Runden ohne Überrundung zu überstehen, um nicht aus dem Rennen genommen zu werden. Bei einer späteren Überrundung wird den überrundeten Fahrern laut Roadbook die Durchschnittszeit der ersten drei Runden plus 10% angerechnet. Martin wurde mit seiner Gruppe gar nicht überrundet, sondern kam mit ca. 6 Minuten Rückstand ins Ziel. Torben wurde 1000 Meter vor dem Ziel überrundet. Am Ziel erfuhren wir, dass er sich bei dem heftigen Sturz (vier Fahrer mussten sich vom Sanitäter behandeln lassen) überschlagen hatte, aber zum Glück im Straßengraben relativ weich gelandet war. Außer einem kleinen Cut am Finger hatte er keine sichtbaren Verletzungen. Thomas schaffte übrigens im Zielsprint des Feldes einen guten 8.Platz. Auf der allabendlichen Mannschaftsleitersitzung ging es dann hoch her. Der Chef der Kommissäre verkündete, dass fünf Fahrer wegen Überschreiten der Karenzzeit aus dem Rennen genommen werden und nicht mehr starten dürfen. Torben war einer dieser Fahrer. Es folgte eine heftige Diskussion zwischen den Mannschaftsleitern und dem Chef der Kommissäre. Von uns wurde zunächst auf die oben genannte Regelung im Roadbook, dem für uns verbindlichen Leitfaden für diese Rundfahrt, hingewiesen. Darauf reagierte der Kommissär mit dem Hinweis, dass die 5%-Karenzzeitregelung eine universelle Regel bei Rundfahrten im Radsport ist und dass diese BDR-Regelung die Regelungen im Roadbook überstimmt. Dies ist pikant, da der Kommissär am Start jene Regelung aus dem Roadbook vorlas. Auch bei Nachfragen während des Rennens sprachen die Komissären nur von der drei Runden und 10% Regelung. Auf die Karenzzeit wurde nicht hingewiesen. Nun baten wir darum, die Sportler, die man ja aus der Gesamtwertung streichen könne, auf den restlichen Etappen starten zu lassen, so wie es auch in den letzten Jahren praktiziert wurde. Der Chef der Kommissäre ließ aber nicht mit sich reden, so dass der Veranstalter die Sitzung abbrach. Die Mannschaftsleiter waren auf Grund der strengen Regelauslegung sehr verärgert. Untereinander war man sich einig, dass alle wieder starten sollen, auch wenn sie nicht mehr in der Gesamtwertung sind. Die Rundfahrt kostet jedes Team über 800 Euro Startgebühren und verpflichtende Unterkunftskosten. Dazu kommen beträchtliche Reisekosten. Bei dieser einzigartigen Rundfahrt für B/C-Lizenzler sind Teams aus ganz Deutschland am Start. Bei der Gefahr, dass wenn man nach Sturz oder Defekt abgehangen wird und außerhalb der Karenzzeit ins Ziel kommt, nicht mehr starten darf, werden es sich die Teams sehr gut überlegen, im nächsten Jahr wieder zu dieser Veranstaltung anzureisen. Diese Regeln haben auf Profi-Ebene ihren Sinn, aber sie behindern den Amateurradsport, zumal wenn Kommissäre am Werk sind, die kein Fingerspitzengefühl haben und keinen Spielraum zulassen. Wenn sich daran nichts ändert, wird es immer weniger Veranstaltungen für B/C-Lizenzfahrer geben und der BDR beraubt sich so seiner Basis. Zurück zum Sportlichen: Am Sonnabend gab es eine 125km-Etappe mit Start und Ziel in Malchin. Da Torben ja nicht starten durfte, hatte ich im Materialwagen nun einen Beifahrer. Nach ca. 20km gab es den ersten Sturz des Tages. 5km später wurde Jakob mit Defekt gemeldet. Er gab jedoch wegen Knieschmerzen (beim Sturz sind mindestens drei Fahrer auf sein Knie geprallt) auf. Dabei fluchte er, denn diese wellige und vom Wind geprägte Etappe war ganz nach seinem Geschmack und seine Beine waren auch sehr gut. An den Wellen und im Gegenwind fielen immer wieder Fahrer aus dem Feld und kämpften verzweifelt in der Materialwagenkolonne um Anschluss. Dirk versuchte zwar immer wieder in Gruppen zu kommen, aber bei der Richtigen war er nicht dabei. Diese Spitzengruppe mit vier Fahrern war etwa zur Hälfte der Etappe, als wir an unserer Herberge, dem „van der Valk“ Ressort, vorbeifuhren auf 1:20 Minuten weg. Nach der Überquerung der Autobahn gab es dann Konfusion, ob es geradeaus oder links weiter geht. Es war insofern unverständlich, als das es im Roadbook zwar schwierig, aber doch zu erkennen war und weil es Markierungs-Pfeile gab, die nach links deuteten. Da die Spitzengruppe aber samt Führungsfahrzeugen der Polizei und der Organisation gerade aus gefahren waren, wurde die Spitzengruppe nun gestoppt und das Feld neutralisiert an sie herangeführt. Dann konnte die Spitze wieder losfahren und das Feld startete 1:20 Minuten später. Die Spitzengruppe zerfiel ca. 15km vor Schluss und nur noch zwei Fahrer hatten 30 Sekunden Vorsprung. Diese büßten sie auf den letzte 10km ein, die von einer heftigen Windkante geprägt war. Dazu kamen noch zwei Wellen, die das Feld aufsplitteten. Martin und Thomas waren recht weit vorne mit dabei. Martin fiel in der sehr gefährlichen Zielanfahrt (drei 90-Grad-Kurven auf den letzten 500 Metern) leider hin, ohne sich aber ernsthaft etwas zu tun. Thomas wurde mit 28 Sekunden Rückstand 24. Für das abschließende Mannschaftszeitfahren gab es die Regelung, dass das Ergebnis nicht in die Gesamtwertung eingeht, jedoch muss man das MZF als Team mit drei Fahrern beenden, damit die Fahrer des Teams in der Wertung bleiben. Wir hatten zwar noch drei startberechtigte Fahrer. Sie spielten in der Gesamtwertung aber keine Rolle. So entschieden wir uns auszusteigen. So brachten wir neben einem B-Fahrer auch jede Menge Ärger und Frust mit zurück aus Mecklenburg. Ich hoffe, dass die van der Valk-Rundfahrt, trotz des Ärgers mit dem BDR, nächstes Jahr wieder stattfindet, da sie ein einmaliges Erlebnis im Amateurradsport und die Straßenrennen eine schöne Abwechslung zu den sonst üblichen Kriterien und Rundstreckenrennen sind. Ergebnisse |