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von Oliver Ohmsen   
24.05.10
Ein ganzes Jahr haben wir ausgeharrt, uns auf Frühling, das frische Laub an den Bäumen, blühende Wiesen und knackige Anstiege gefreut. Und dann war es wieder soweit! Ein "Hamburger Sixpack" machte sich auf den Weg in die "Fauststadt" Stauffen, weniger um Goethes Werk vor Ort nachempfinden, sondern vielmehr den langen Winter ordentlich von den Hufen abschütteln zu können. "Kurz-kurz" hieß die Devise an fast allen Tagen. Der Griff zur Winterkollektion sollte bereits am ersten Tag und Anstieg bei Einzelnen mit Überhitzung des Kühlkreislaufs und unverzüglichem Leistungsabfall bestraft werden.  

Der einzige Tag, an dem es ein wenig auffrischen sollte, war als Ruhetag eingeplant. Nicht so bei Rolfe: Ein kleiner Schwumm zur Entspannung in der örtlichen Badeanstalt wurde dem obligatorischen Ersatzteilebeschaffungs-programm in Freiburg vorgezogen. Typisch Triathlet! Nach den täglichen Ausflügen ins Gebirge, wurde sein Körper mit einem mindestens einstündigen Berglauf gestählt bzw. gequält, während der Rest der Gang sich mit Proteinshakes und Kreuzkuchen, sowie Erdinger alkoholfrei und Leberkäs-brötchen auf dem Sonnen beschienenen Balkon bereits regenerieren durfte.

Den Profis der Tour aus dem vergangenen Jahr auf der Spur, haben wir auch die Vogesen unter die Räder genommen. Es sollte eine Reminiszenz an den langen Winter werden: Den Anstieg zur Route de Crêtes noch im Schweiße unseres Angesichts bewältigend, wurde es auf dem Höhenweg immer frostiger. Der Grand Ballon lud mit seiner Schneekappe noch zum Après Ski ein, auf Le Markstein waren "Ski und Rodel gut", am Col du Platzerwasel, dem Pass, an welchem Heinrich Haußler 2009 den Grundstein für seinen legendären Etappensieg legte, ging es in guter Crosser Manier per pedes nur langsam durch den Schnee hindurch. Dafür luden uns die Störche in Munster nach rasanter Abfahrt zu einer Pause bei Café au lait und Krapfen ein.

Während Matthias sich sowohl in Frankreich als auch im Schwarzwald die meisten Bergpunkte sichern konnte, wurden weder die rot-weißen französischen als auch unseren gelben Ortsschilder vom Rest der Truppe verschmäht. Immer auf der Hatz nach Punkten und dem Tagessieg am (grünen) Ortsschild "Kropbach" , ließen Jan "der Schnitzelkönig" und ich uns immer neue Sprintvarianten einfallen. Entweder wir nutzten die abfallende Straße des Münstertals als Beschleuniger oder in der Gegenrichtung den Windschatten des "Hamburger Zugs", der von Jan trainiert und lautstark nach vorne gepeitscht wurde: "Los Matzen, T R E T E N bis die Oberschenkel platzen!" Bekanntlich lässt einem Angst Flügel wachsen und so kam dank dieses Intensivtrainings eines Nachmittags eine sagenhafte Anfahrgeschwindigkeit von 28 km/h zustande, die zwei Kilometer vor dem Ziel in (m)einem verzweifelten Ausreißversuch endeten, quittiert von "Was? – Du gehst schon?" und einer erfolglosen Verfolgungsjagd.

Nachdem Muskulatur und Ausdauer vor derartig harte Bewährungsproben gestellt wurden, durfte der tägliche Service des Materials nicht zu kurz kommen. Und dabei zeigte sich, dass in manch antiquiert wirkendem Zweirad ein wahrer Schatz schlummern kann: Das quietschgelbe "Orbea" wurde nach fachmännischer Inaugenscheinnahme von unserem Chefmechaniker Jan optimal an Wolfgangs Physiognomie angepasst. Dieses Feintuning wirkte wie ein Leistung steigerndes Präparat und beflügelte unseren Präsidenten a.D. zu unerhörten Attacken am Berg.

Größere Defekte und Unfälle waren in diesem Jahr glücklicher Weise Fehlanzeige. Neben Kondition und Fahrtechnik, durften wir auch in diesem Jahr unsere Kenntnisse bezüglich optimaler Mülltrennung, die im Ländle ganz GROSS geschrieben wird, erweitern. Begeistert von dieser und anderen (sym)badischen Eigenarten, aber vor allem von der Örtlichkeit als Alternative zu Malle, Zypern, Ligurien etc., wird unser Trainingslager im Schwarzwald und Aufenthalt auf dem Kropbachhof sicherlich nicht das letzte Mal stattgefunden haben...

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