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Vom Teufel geritten - 24h Radrennen in Nortorf PDF Drucken E-Mail
von Erik Manke   
28.06.10

Am Wochenende galt es, meine Vorbereitung auf das 24h Radrennen in Nortorf unter Beweis zu stellen. Alles über Höhen und Tiefen meines Höllenritts zum Sieg nach 756km könnt ihr Nachfolgend lesen...

 

Als ich am Anfang der Saisonplanung von dem 24h Radrennen in Nortorf erfahren habe, stand für mich schnell fest, dass es eines meiner Jahreshöhepunkte wird. Natürlich wusste ich, dass ich sehr viel Zeit in die Vorbereitung stecken musste. Unzählige Stunden im GA-Bereich flossen in das Training mit ein. Um vorne dabei zu sein galt es nun noch jemanden zu finden der mich das Rennen über betreut. So erklärte sich Frank, ein guter Freund aus Hamburg mit viel Langstreckenerfahrung bereit mir zur Seite zu stehen.

Am Freitagabend  ging es bereits nach Nortorf. Samstagmorgen gab es dann auch kein Zurück mehr, als wir von Bernd auf das Erlebnis 24h losgelassen wurden. Die Vierer-Teams gaben ordentlich Gas, und ich ordnete mich in der zweiten Gruppe ein, die überwiegend aus Zweier-Teams bestand.  Mit einem 37er Schnitt auf den ersten beiden Runden fragte ich mich, ob das wohl gut ginge. Schließlich lagen noch mindestens 22 Stunden vor mir, bevor das Tempo langsam gedrosselt wurde.

So nach ca. 6 Runden à 28km machten so manche Mannschaften Anmerkungen, ob ich das wohl durchhalten werde. Doch darauf wusste ich nur wenig zu entgegnen da ich mit meinen 21 Jahren erst wenige Erfahrungen auf solchen Langstrecken sammeln konnte. Was mir allerdings Kraft verlieh war das Wissen, dass solch eine Strecke im Kopf gemeistert werden muss und dann erst mit den Beinen. Langsam wurde es kühler, als die Sonne sich dem Horizont näherte und sich die Nacht über die Abwechslungsreiche Runde legte. Das Tempo wurde wie erwartet etwas ruhiger. Dies kam mir in Verbindung mit den fallenden Temperaturen sehr zu Gute. Nun konnte ich auch meine Position in der Gruppe behaupten und öfter und länger als am Tag in der Führung fahren um am Ende nicht als elender verhasster Lutscher zu gelten. Aber letztlich bestand unsere Gruppe nur aus einem harten Kern aus drei Fahrern.

Die beiden Erstplatzierten Zweier-Teams und meine Wenigkeit harmonierten sehr gut. Auch, wenn es mal nötig war, ein Bedürfnis zu erledigen verhielten Sie sich so sportlich fair auf mich zu warten. An dieser Stelle diesen vier Fahren einen riesigen Dank, da ohne sie das auch nur halb so leicht gewesen wäre. Genauso wichtig war mein Betreuer, der mich die ganze Nacht mit Nudeln aus Kaffeebechern und abgestandener Cola versorgte; das gibt Kraft sag ich euch. Mit der Müdigkeit gab es keinerlei Probleme und auch die Gewissheit, dass mit Sonnenaufgang nur noch sechs Stunden zu fahren waren, ließen mich die auftretenden Beschwerden leichter verkraften. Ein Wehwehchen löste das andere ab. Mal die Füße, Hände, Nacken, Arme, Schultern, Knöchel bis es Reih' um wieder von vorn anfing. Nur mein Hintern begleitete mich treu mit einem Gefühl aus Brennnesseln, Armeisenhaufen und Schleifpapier.

Bald geschafft: nur noch vier Stunden mit dem Wissen, dass ich zwei Runden Vorsprung auf meine Verfolger hatte. Jetzt konnte nicht mehr viel passieren und als meine beiden stetigen Begleiter auch auf den dreitten Platz eine Runde rausgefahren hatten rollten wir gemütlich unseren Triumph entgegen. Auf die Frage "Willst du nicht aufhören? Du hast doch eh schon gewonnen!" antwortete ich nur, dass ich bei einem 24h Rennen und nicht bei einem 23h oder 22h Radevent bin. Und dann kam der ersehnte Moment. Unbeirrt arbeiteten meine beiden Triebwerke auf den letzten Kilometern bevor ich anhalten konnte. Die Uhr blieb bei 23:29h nach 27 Runden stehen. 756 Kilometer waren mehr als ich mir vorher jemals hätte erträumen können. Von jetzt an war alles egal und auch alles vergessen; der Schmerz, der Hunger und auch der Berg der jede Runde länger wurde (wir waren uns sicher, dass die Nortorfer jede Runde oben was raufgeschüttet haben um uns zu ärgern).

Trotz meiner Leistung ziehe ich auch vor jedem anderen Einzelfahrer den Hut der solch eine Herausforderung meistert. Nächstes Jahr heißt es dann Titelverteidigung! Hoffentlich werde ich nächstes Jahr vom gleichem Teufel geritten!

 
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