Und wann startest du auf Hawaii? Wohl jeder Sportler, der irgendwann mal beim Hamburg Triathlon in die Alster gesprungen ist,

bekommt diese Frage durch sein weniger sportaffines Umfeld gestellt.

Zukünftig habe ich darauf eine Antwort parat; ich bin dort 2015 gestartet.

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Der Ironman Hawaii gilt es eine der härtesten Ausdauersportveranstaltungen weltweit. Ich hatte das Glück in diesem Jahr dort, mit den besten Profis und Altersklasseathleten, an den Start zu gehen. Vor dem Wettkampf gestaltet sich allerdings die Anreise an das andere Ende der Welt schon als erste Herausforderung. Insgesamt fast 23 Flugstunden fordern den Körper und sind mental durchaus eine Belastung.

Nachdem Ende September in Norddeutschland bereits die kurz-kurz Saison beendet wurde, ging es für mich über Frankfurt und San Francisco in das Triathlon Mekka nach Kailua-Kona. Big Island empfängt einen mit permanentem Sommerwetter. Bereits beim Ausstieg aus dem Flieger entledigt man sich aller warmen Bekleidung und spätestens nachdem man die obligatorische Blumenkette umgehängt bekommt, stellt sich auch das bekannte Alohafeeling ein.

10 Tage zur Akklimatisierung mussten bei mir reichen. Dabei beginnen die Tage auf Hawaii früh, sehr früh. Bereits vor sechs Uhr morgens sieht man die Athleten den berühmten Alii-Drive entlang laufen. Das vermeintliche Trainingstempo hat mich zunächst ziemlich schockiert, fast alle Sportler rennen im sub 4-Minuten/km-Schnitt, nicht wenige haben die Schwimmbrille und Kappe dabei und entern mit dem Sonnenaufgang den kleinen Strand an der Pier, an dem am Wettkampftag das Schwimmen beginnt. Delphine, bunte Fische und große Schildkröten sind die einen Schwimmbegleiter, der Pacific hält allerdings auch noch ziemliche seitliche Wellen und eine fiese Strömung bereit. Mir war nach den ersten Einheiten jedenfalls schon klar, dass im Wettkampf nicht mal eben so eine lockere Runde schwimmen angesagt ist. Die Athleten erfahren in der Ironweek eine mir bisher nicht bei ähnlichen Veranstaltungen gekannte Aufmerksamkeit. Diverse Sponsoren bieten nicht nur die üblichen Gels, Riegel, etc. an, sondern man kommt vom Training regelmäßig mit Handtüchern, Badekappen, shirts oder sonstigen Gimmiks zurück. Die folgenden Radeinheiten offenbarten dann aber bereits den sportlichen Charakter der Insel. Ständig wechselnde Winde, gerne auch mal heftige Böen von der Seite, dazu ein glühender Asphalt, bei Abfahrten jenseits der 70 km/h kam in Aeroposition der Seitenstreifen schon mal bedrohlich nahe. Gelaufen bin ich überwiegend in der Mittagszeit, nicht weil mich die Quälerei besonders happy macht, sondern um mich an die Temperaturen von schattenlosen 40 Grad zu gewöhnen. Nach spätestens drei Kilometern habe ich mich allerdings regelmäßig gefragt, wie ich, nach der Vorbelastung, eigentlich am Wettkampftag noch einen Marathon laufen soll.

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Der Mythos Hawaii wird nicht nur durch den eigentlichen Wettkampf geprägt, in der WM-Woche gibt es eine Vielzahl von ungewöhnlichen Veranstaltungen, sei es die stimmungsvolle Nationenparade oder der total schräge Underpants Run morgens um 07.00 Uhr, cool.

Freitag um 12.00 Uhr ging es dann zum Bike-Check-in. Das wird auf jeden Fall zelebriert. Ein Helfer begleitet einen die gesamte Zeit und geht alle Wettkampfwege in der gigantischen Wechselzone mit dem Athleten ab. Die ersten 50 Meter sitzen die „Zähler“, die alle Komponenten ( komplette Rad, Helm, Schwimmanzug, etc.) erfassen. Der Kona Bike Count hat für die Hersteller offenbar eine sehr hohe Bedeutung.

Um 03.45 Uhr holt mich der Wecker am Wettkampfmorgen nicht aus meinen Träumen; gefühlt habe ich nämlich nicht wirklich geschlafen. Nach dem Body-Marking wird man noch unter ärztlichen Augen vor dem Wettkampf gewogen (nein, ich bin kein Boxer), ein kurzer Moment noch um sich von den Liebsten zu verabschieden und dann in die quirlige Wechselzone einzutauchen. Ein letzter Materialcheck und dann wird die Ruhe durch die eintreffenden tieffliegenden Kamerahubschrauber endgültig weggepustet. Der Knall der Kanone lässt mich inmitten von rund 1800 verrückten Eisenmännern zunächst mächtig nach Luft schnappen. Irgendwann finde ich meinen Rhythmus und es geht, wie befürchtet, mühselig durchs Meer. Nach der Wendemarke orientiere mich am King Kamehameha Hotel, aber der Ausstieg will nicht so richtig näherkommen, die Strömung spüre ich jedenfalls kräftig in meinen zunehmend müden Armen und Ideallinie bin ich auf jeden Fall nicht geschwommen. Die kalte Süßwasserdusche nach dem Schwimmausstieg erfrischt und spült das Salz vom Körper. Ich lasse mir im Wechselzeit etwas Zeit und versuche mich umfassend mit Sonnencreme einzuschmieren. Am Ende des Tages hat sich dann übrigens gezeigt, dass mir das nur begrenzt gelungen ist, Unterarme und auch die Beine hatten schon ziemlichen Sonnenbrand. Die Radstrecke selber hat mich am Wettkampftag nicht völlig schockiert, Wind und Temperatur fand ich ok und auch der kräftige Regen auf 20 km, kurz vor dem Wendepunkt in Hawi war eher erfrischend, als belastend. Mit dem 30er-Schnitt war ich bei gut 1700 hm jedenfalls zufrieden, dieses Gefühl hat mich dann auch die ersten 16 km auf dem Alli Drive begleitet, als es dann jedoch die Palani Road hochging, musste ich die erste Gehpause einlegen. Beim Abbiegen auf den endlosen und brutal heißen Queen K Highway setze ich mir nur das Erreichen der jeweils nächsten Verpflegungsstelle als Ziel. Der Ablauf dort ist dann immer gleich. Eiswasser und kalte Schwämme über den Kopf, Cola und Wasser in den Hals und dann 2-3 Becher mit Eiswürfeln in das Trikot, die Hose und unter das Cap auf den Kopf. Kaum zu glauben, aber nach einem Kilometer war von dem Eis nichts mehr übrig. Das berühmt-berüchtigte Natural Energy Lab erreichte ich mit beginnendem Sonnenuntergang. Ein traumhafter Anblick, der die unglaubliche Hitze fast vergessen ließ, an einen flüssigen Laufstil war bei mir hier nicht mehr zu denken. Der Rückweg nach Kona dann schon im Dunklen, nun gut, an ein daylight-finish hatte ich ohnehin nicht geglaubt. Bei Kilometer 39 packt mich dann wieder die totale Euphorie, das Gefühl, das Ziel nun zu erreichen, verursacht tatsächlich eine permanente Ganzkörpergänsehaut. Ich laufe nicht mehr, sondern renne. Die Geräuschkulisse wird immer lauter und ich sehe den 200 Meter langen Zielkanal vor meinen Augen. Rechts und links klatsche ich alle hingehaltenen Hände ab und kann es eigentlich nicht wirklich fassen als the voice, Mike Reilly, die nur an diesem Ort wirklich wichtigen Worte ins Mikro brüllt; „Matthias, you are an Ironman“

Mahalo an alle lieben Unterstützer und vielen Dank für die ganzen guten Wünsche; Hang Loose

Matthias

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